1. Logopädie

1.1 Logopädin - Was ist das?

Eine vielseitige, anpassungsfähige und kreative Person, die sich um sämtliche Belange der Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörfunktionen kümmert. Das heißt sie identifiziert in einem persönlichen Gespräch den Themenbereich, der Sie betrifft, sucht mittels standardisierten / normierten Testverfahren nach dem genauem „Problem“, erstellt aus diesen Ergebnissen einen Therapieplan und wählt das geeignete (evidenzbasierte) Therapieverfahren mit Ihnen gemeinsam aus.

Darüber hinaus steht sie Ihnen, Ihrer Familie, Ihrem Partner und Ihren Angehörigen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Nicht nur rein logopädisch, sondern vor allem menschlich. Trauer, Hilflosigkeit, Freude, Erfolg und weitere vielseitige Emotionen begleitet sie durch Zuhören, Hand halten oder sorgt mit Humor für dopaminreiche (glückliche) Momente.

1.2 Wann darf ich zur Logopädie?

Logopäden sind für "fast" alles zuständig ;-)

Etwas stimmt nicht:

Alter Mögliche Problematiken
Säuglinge
  • Lippen- Kiefer- Gaumen- Spalte
  • Fütterungsschwierigkeiten
  • Sonden- / PEG-entwöhnung
Kleinkinder
  • Laute werden vertauscht, ausgelassen
  • Kind spricht eine Fantasiesprache
  • Spricht mit 2 Jahren weniger als 50 Wörter
  • Kind spricht gar nicht
  • Es werden zum Sprechen viele Gesten verwendet
  • Hört nicht alles
  • Hält keinen Blickkontakt
  • Atmet lieber durch den Mund
  • Stottert oder stolpert beim Sprechen
Schulkinder
  • Wörter fallen nicht ein
  • Erzählungen sind durcheinander
  • Lispeln
  • Sätze sind verdreht
  • Die Zunge verschiebt beim Schlucken die Zähne
  • Mund steht häufig offen
  • Stimme ist heiser, tonlos, rau oder laut
  • Kann sich wenig merken
  • Konzentration fällt schwer
Jugendliche
  • Zahnfehlstellungen
  • Stimme klingt komisch
Erwachsene
  • Stimme ist rau, heiser, tonlos, angestrengt
  • Schnarchen oder Knirschen strengt an
  • Atmen fällt schwer
  • Sprechen strengt an
  • Nuscheln
  • Schlucken war schon mal leichter
  • Die Wörter kommen falsch raus
  • Das Sprechen ist nicht mehr möglich
  • Gedächtnisleistung nimmt ab
  • Kommunikation fällt schwer

Prävention / Coaching:

Alter Möglichkeiten
Kleinkinder
  • Begleitung der Sprachentwicklung
Schulkinder
  • Vorbereitung auf die Schule
  • Begleitung des Schriftspracherwerbs
Jugendliche
  • Begleitung im Stimmbruch
  • Ausbildung der Stimme
Erwachsene
  • Richtiger Stimmgebrauch im Beruf
  • Stimme wirkungsvoll einsetzen
  • Ausbildung der Sprech- und Gesangsstimme
  • Rhetoriktraining
  • Gedächtnis- und Konzentrationstraining

1.3 Wie komme ich zur Logopädie?

Zunächst ist es wichtig zu klären, ob es sich um ein Problem, aufgrund einer Störung oder um eine präventive Maßnahme, handelt (siehe 1.2). Handelt es sich um eine Störung (also etwas stimmt nicht), dann ist der erste Schritt zum Arzt oder Heilpraktiker. Dieser stellt eine Verordnung aus, mit der Sie sich bei einem Logopäden innerhalb von 14 Tagen vorstellen können.

In manchen Gebieten sind die Wartezeiten länger und Sie erhalten keinen Termin binnen 14 Tage. Dann ergeben sich 2 Möglichkeiten, damit Sie mit einer gültigen Verordnung Ihren Logopäden aufsuchen können.

1. Sie sprechen mit Ihrem Arzt/ Heilpraktiker über die Notwendigkeit logopädischer Therapie, finden dann eine geeignete Praxis und vereinbaren einen Termin. Kurz vor dem Termin holen Sie sich eine gültige Verordnung (nicht älter als 14 Tage nach Ausstellungsdatum.)

2. Der Arzt/ Heilpraktiker trägt einen späteren Behandlungsbeginn ein (siehe Darstellung).

Möchten Sie aufgrund einer präventiven (vorbeugenden) Maßnahme einen Logopäden aufsuchen, sprechen Sie die gewünschte Praxis direkt an und vereinbaren einen Termin. Wichtig ist, dass diese Maßnahmen nicht von der gesetzlichen Gesundheitskasse übernommen werden. (Mehr dazu unter Punkt 2.3)

1.4 Wie finde ich eine geeignete Praxis?

Die gängigen Suchmöglichkeiten (Google, Gelbe Seiten, Bekannte usw.) lassen wir einmal außen vor. Auf unterschiedliche Bedingungen/ Faktoren, die Einfluss auf den Therapieverlauf haben, gilt folgendes zu beachten:

  1. Entfernung vom Wohnort:
    Wie flexibel sind Sie? Haben Sie ein Auto? Sind Sie auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen? Je nachdem macht es Sinn sich eine Praxis direkt in Wohnortsnähe zu suchen. Denn eine regelmäßige Terminwahrnehmung (stressfrei) ist für den Therapieerfolg maßgebend. Wenn Sie jedoch flexibel sind und auch längere Strecken auf sich nehmen können, gibt es weitere Faktoren, denen Sie Beachtung schenken dürfen.
  2. Homepage:
    Verfügt die zukünftige Praxis über eine sympathische sowie informative Internetpräsenz und vielleicht sogar über Bewertungen? Hier können Sie sich einen ersten Eindruck der zukünftigen Therapeuten und der Räumlichkeiten machen. Was dahinter steckt? Sie müssen sich in der Therapie wohlfühlen, damit die Therapie erfolgreich ist. Sowohl räumlich wie auch personell.
  3. Spezialisierung:
    Gibt es eine Praxis, die auf Ihre Problematik spezialisiert ist? Das ist mit Abstand der schwierigste Faktor. Einige Praxen spezialisieren sich auf bestimmte Altersgruppen oder Problembereiche (z.B. Kindertherapie, neurologische Problematiken, Lernschwächen). Andere Wiederrum weisen spezialisierte Therapeuten auf. D.h. die Praxis selbst ist nicht spezialisiert, jedoch die Therapeuten. Diese haben spezielle Fortbildungen besucht und weisen über das „normale Ausbildungswissen“ hinaus Fachwissen auf. Manchmal ist es schwer zu erkennen, ob eine Praxis oder Therapeuten spezialisiert sind. Im Zweifel rufen Sie an und fragen einfach nach.
  4. Wartezeit:
    Sie sind in Zeitnot? Nach einem akutem Ereignis ( Schlaganfall) müssen Sie schnell versorgt werden? Die Einschulung Ihres Kindes ist gefährdet? In solchen Fällen macht es Sinn die Praxen im Umfeld, welches Sie gut erreichen können, abzutelefonieren. Manche Praxen nehmen Notfälle kurzfristig auf oder können Ihnen einen ersten Beratungstermin anbieten. Klipp & Klar bietet auch kurzfristige Notfalltermine an.

Sie haben eine Praxis gefunden sind aber nicht zufrieden? Wichtig ist, dass Sie wissen das eine freie Therapeutenwahl Ihrerseits besteht. D.h. Sie dürfen den Therapeuten/ die Praxis ohne Angabe von Gründen wechseln; auch mitten in einer laufenden Verordnung. Zum neuen Therapeuten müssen Sie dann wieder eine gültige Verordnung mitbringen.

1.5 Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, damit die Therapie erfolgreich ist?

  1. Termine regelmäßig wahrnehmen. Wenn Sie sich für eine logopädische Therapie entscheiden, ist es für die nächsten Wochen/ Monate notwendig, dass Sie die Termine stressfrei unterbringen können.
  2. Eigentraining Zuhause durchführen. Die Frequenz und Qualität der Übungen machen den Therapieerfolg aus. Um bildlich zu werden: Wir Therapeuten geben Ihnen das Handwerkzeug, Sie selbst üben das Handling.
  3. Motivation. Zwar gestalten wir die Therapie interessant, alltagsorientiert und humorvoll, jedoch ist eine grundliegende Bereitschaft an der Therapie teilzunehmen absolut maßgebend.
2. Heilmittelverordnung

2.1 Wann und warum brauche ich eine Verordnung?

Logopäden gehören zu den Heilmittelerbringer und dürfen bei Problemen, die auf einer Abweichung der „normalen“ Entwicklung oder auf Krankheit beruhen, nur auf ärztliche Anordnung tätig werden. Der Arzt stellt die ärztliche Anordnung in Form einer Verordnung aus. Sobald also die Stimme, die Sprache, das Sprechen, das Schlucken oder das Hören von der „Norm“ abweicht, ist eine ärztliche Verordnung notwendig.

Bei vorbeugenden oder beratenden Maßnahmen, dürfen wir Therapeuten ohne Verordnung tätig werden.

Ist eine Verordnung notwendig, so bringen Sie diese bitte zum ersten Termin mit.

2.2 Wer stellt eine Verordnung aus?

  • Heilpraktiker
  • Kinder- und Jugendfacharzt
  • Allgemeinmediziner (Hausarzt)
  • HNO- Arzt
  • Neurologe
  • Kieferorthopäde
  • Zahnarzt
  • Phoniater
  • Pädaudiologen
  • Im Rahmen des klinischen Entlassungsmanagements stellen in Krankenhäusern ebenfalls Ärzte eine Verordnung aus
    (Aufgepasst: diese ist nur 7 statt 14 Tage gültig!)

2.3 Wer übernimmt die Kosten?

Bei ärztlicher Verdordnung (siehe 1.2 Tabelle "Etwas stimmt nicht")

Gesetzlich Versicherte:

Hier übernimmt die gesetzliche Gesundheitskasse bis zum 18. Lebensjahr die vollen Kosten der Therapie. Ab dem 18. Lebensjahr zahlen Sie 10% der Therapiekosten plus 10 Euro pro Verordnung an die logopädische Praxis direkt zu Beginn der Behandlung, sofern Sie nicht befreit sind.

Privatversicherte:

Zunächst übernehmen die Privatversicherten selbst die Kosten der Therapie und reichen die Rechnung inklusive der Verordnung bei Ihrer privaten Gesundheitskasse ein. Wieviel Sie als Privatversicherter von Ihrer Gesundheitskasse zurückerstattet bekommen, hängt von Ihrem vereinbarten Tarif ab. Hier ist es ratsam sich vor Therapiebeginn bei der eigenen Gesundheitskasse zu informieren.

Selbstzahler:

Sie tragen die Kosten selbst.

Prävention und Coaching (siehe 1.2 Tabelle "Prävention / Coaching")

Diese Leistungen müssen meistens selbst getragen werden. Bei Fragen sprechen Sie mich gerne an.

2.4 Was gibt es bei der Verordnung zu beachten?

Die gesetzlichen Gesundheitskassen akzeptieren nur eine Verordnung nach Muster 14 oder von Zahn- und Kieferorthopäden das Muster Z13. Nur wenn diese korrekt ausgefüllt sind, sind diese gültig und werden kostenmäßig von der Gesundheitskasse übernommen. Was muss alles draufstehen?


Muster 14


Muster Z13

2.5 Was kann ich tun, wenn ich keine Verordnung (mehr) bekomme?

Leider kommt es manchmal vor, dass Ärzte keine Verordnung ausstellen. Das kann mehrere Gründe haben:


  1. Aus ärztlicher Sicht ist keine logopädische Therapie notwendig.

  2. Sie erhalten bereits Physiotherapie oder Ergotherapie? Manche Ärzte verordnen nur ein Heilmittel, sodass erst die eine Therapie abgeschlossen sein muss, bevor es mit der Logopädie losgehen kann.

  3. Sie haben bereits eine Verordnung in der Vergangenheit erhalten.

Die oben genannten „Gründe“ müssen etwas differenzierter betrachtet werden.

Zu Punkt 1 der Notwendigkeit: Manchmal ist es offensichtlich, dass Sie, Ihr Kind oder Angehöriger Logopädie benötigt, jedoch der Arzt diese Notwendigkeit nicht sieht. Hierbei kann es hilfreich sein, einen Logopäden telefonisch um Rat zu fragen. Um die Notwendigkeit logopädisch bestätigen zu lassen, kann der Arzt eine Verordnung zur Diagnostik ausstellen. Diese beinhaltet einen Termin bei dem anamnestisch sowie diagnostisch die Notwendigkeit einer logopädischen Therapie gesichert werden kann.

Zu Punkt 2 mehrere Heilmittel: Häufig hören wir Therapeuten, dass immer nur 1 Heilmittel verordnet werden kann. Weder das Gesetz noch die Gesundheitskassen geben dieses Vorgehen vor. Es ist also kein Problem Ergo-, Physiotherapie und Logopädie gleichzeitig in Anspruch zu nehmen. Wo liegt dann das Problem? In der Budgetierung! Verordnet der zuständige Arzt zu viele Heilmittel und übersteigt sein Budget, so kann das im schlimmsten Fall einen Regress nach sich ziehen. Dies ist meistens auch der Grund, weshalb viele Klienten nur eine einmalige Verordnung (Punkt 3) erhalten und anschließend 3 Monate pausieren müssen. Hierbei ist die Schuld nicht bei den Ärzten zu suchen, sondern beim Gesundheitssystem bzw. Gesundheitskassen, denn diese geben das Budget vor und bieten Ärzten eine Regressfreiheit an, wenn diese unter einem bestimmten Budget bleiben (welches unter dem vereinbarten Budget liegt).

Was also tun? Sie können um eine Verordnung „kämpfen“ indem Sie den Arzt nochmals auf die Notwendigkeit hinweisen und „nicht locker“ lassen. Weiterhin können Sie sich an Ihre Gesundheitskasse wenden und um Unterstützung bitten. In jedem Fall erhalten Sie eine Verordnung, wenn Sie die Kosten als „Selbstzahler“ oder „Privatpatient“ tragen. Denn dies fällt nicht in das ärztliche Budget.

2.6 Was schützt mich vor Abrechnungsbetrug?

Damit Sie sich vor Abrechnungsbetrug schützen können, bedarf es Wissen. Wieso ist das wichtig? Die Gesundheitskassen werden jährlich um Milliarden betrogen. Das gefällt denen natürlich nicht und somit gibt es Abteilungen, die Betrugsfällen nachgehen. Bei einem Verdacht, werden in der Regel Sie als Erhalter der Leistung kontaktiert und befragt. Anschließend wird die Praxis befragt und um Stellung gebeten. Im „schlimmsten“ Fall wird die Praxis dazu angehalten die Einnahmen aus Ihrer Therapie wieder zurück zu zahlen. Muss eine Praxis in mehreren Fällen Leistungen zurückerstatten, kann das schnell ein hoher Betrag werden, der zur Insolvenz führen kann. Helfen Sie mit, damit sowas nicht geschieht. Was fällt alles unter Abrechnungsbetrug?


Lufttherapie:

Sie sollen eine Unterschrift leisten, weil Sie einen Termin kurzfristig nicht einhalten konnten und sonst eine Rechnung bekommen würden.

Sie werden um eine Unterschrift gebeten, weil der zuständige Therapeut für Sie einen „Mehraufwand“ betrieben hat (Telefonate, Häusliche Übungen, Gespräche in Einrichtungen, Änderungen der Verordnung).

In diesen Fällen ist eine Einforderung Ihrer Unterschrift nicht erlaubt.

Sie sollten jedoch wissen! Telefonate, häusliche Übungen, Änderungen der Verordnungen, interdisziplinäre Gespräche zu Ihren Gunsten führen Therapeuten aktuell in ihrer Freizeit durch, da diese Leistungen nicht von den Gesundheitskassen vergütet werden.


Behandlungsunterbrechung:

Wenn die Therapie wegen Krankheit, Urlaub oder Therapiepause für 14 Tage unterbrochen wird, muss dies mit einem Kürzel vermerkt werden. Ein anderes Datum einzutragen ist nicht zulässig.

Aufgrund von Krankheit, Urlaub oder Ferien pausiert die Therapie mehr als 4 Wochen. In diesem Fall verliert die Verordnung ihre Gültigkeit, muss abgerechnet werden und eine Neue muss bei Ihrem Arzt angefordert werden.


Doppelstunden:

Logopädie darf nur 1x täglich stattfinden, außer es steht auf der Verordnung eine gesonderte Anweisung drauf. Doppelstunden sind per se nicht zulässig.


Praktikantin, Studierende oder Auszubildende führt die Behandlung durch:

Sie erklären sich einverstanden, dass eine Praktikantin, Studierende, Auszubildende die Therapiestunde durchführt. Toll, dass Sie das unterstützen. Beachten Sie aber, dass diese Behandlung nur im Beisein einer "fertigen" Therapeutin durchgeführt und von Ihnen unterschrieben werden darf. Bei der Teilnahme an Studien können andere Grundlagen gültig sein.